Planung und Bau von
Regenwassernutzungsanlagen

von Detlev Steinle
FBR-Regenwasser-Experte

Grundsatzinformation

Jede Gebäudetechnik - wie z. B. auch die Heizung, die vom technischen Anspruch her mit der Regenwassernutzung gleichzusetzen ist - befindet sich in einer ständigen Weiterentwicklung. Trotzdem läßt sich heute schon ein erforderlicher technischer Mindeststandard realisieren, der sich aus der Praxis und Untersuchungen der letzten Jahre ergeben hat und in der DIN 1989 dokumentiert wird. Sowohl bei Neubauten als auch bei nachträglichen Installationen sollten folgende Prinzipien grundsätzlich berücksichtigt werden:

Dachflächen

Extrem schmutzbelastete Dächer (Taubenschlag, regelmäßig starke Staubentwicklung in unmittelbarer Umgebung, z. B. Zementwerk) sollten nicht genutzt werden. Bis auf einige Ausnahmen sind alle Dachmaterialien für das Auffangen von Regenwasser geeignet. Nicht, bzw. eingeschränkt geeignet sind: mehr...


Filterung (1. Reinigungsstufe)

Generell muß das Dachablaufwasser vor dem Eintritt in den Speicher feingefiltert werden (Orientierungsgröße: Maschenweite < 0,3 mm). Auf weitere Feinfilter nach dem Speicher sollte grundsätzlich verzichtet werden, da diese unnötig sind.

Anforderungen an Filtersysteme: mehr... 

Demonatrationen: Filtersammler  Wirbel-Fein-Filter: 

Sollen Filter im Speicher integriert sein?
Aus optischen Vereinfachungsgründen werden zwischenzeitlich Erdspeicher mit integriertem Filter angeboten. Es wird hierdurch eine einfachere Installation versprochen. Durch diese Werbeaussagen werden von vielen Anbietern die erheblichen Nachteile übersehen (oder verschwiegen): mehr...

Speicher

Regenwasserspeicher dienen nicht nur der Lagerung sondern auch der Reinigung des Niederschlagswassers. Dabei ist die Reinigungsleistung unmittelbar von der Wasserführung im Speicher (Zulauf, Überlauf, Entnahme) abhängig.
Regenwasserspeicher müssen folgende Bedingungen erfüllen : mehr...

Welches Material soll ich für meinen Erdspeicher wählen?
Sowohl PE, wie auch Beton haben ihre Berechtigung und jeweils spezielle Vorteile als Auswahlkriterium.  mehr...

Strömungsberuhigte Zulauf (2. Reinigungsstufe)

Das frische, mit Sauerstoff angereicherte Wasser muß im Speicher strömungsberuhigt zugeführt werden.  mehr...
Die Wasserentnahme muß so gestaltet sein, daß eine Verwirbelung und Ansaugung des Bodensedimentes zuverlässig verhindert wird.

Überlauf (3. Reinigungsstufe)

Der Überlauf des Speicher muß mit einem groß dimensionierten Geruchsverschluß gegen Kanalgase ausgestattet sein.
Die speicherseitige Ablauföffnung muß als Skimmer ausgebildet sein, ... mehr...

Pumpen / Hauswasserwerke

Je nach Anlage können unterschiedliche Pumpentypen verwendet werden. Durch die Wahl von bedarfsangepaßten Ein- und Ausschaltdrücken werden Pumpe und Leitungssystem geschont. Auf jeden Fall sollten für das Kernstück einer Anlage hochwertige Produkte verwendet werden.
Vor Billigangeboten wird ausdrücklich gewarnt, sie sind langfristig durch hohen Verschleiß und häufigen Ausfall teurer und stellen keine Ersparnis dar.
Anforderungen an eine Pumpe/Hauswasserwerk:
 mehr...

Tauchpumpen haben einen energetisch besseren Wirkungsgrad gegenüber Saugpumpen, da hier keine Saugverluste anfallen. Hinzu kommt, dass bei Tauchpumpen keine störanfällige und teure Saugleitung (Vakuumleitung) vorhanden ist und die Pumpen geräuschmindernd im Speicher außerhalb des Hauses montiert sind. Es entstehen keine Pumpengeräusche in Haus, wenn z.B. nachts die Toilette benutzt wird. Physikalische Beschränkungen bezüglich Sauglänge und Saughöhe bestehen nicht.
mehr...

Technischer Vergleich von Pumpentypen

Trinkwassernachspeisung

Wenn in langen Trocken- und Frostperioden der Regenwasservorrat nicht ausreicht, muß zur Gewährleistung der Betriebsbereitschaft bedarfsgerecht Trinkwasser in die Anlage eingespeist werden.

Unter der Vorgabe der strikten Trennung von Betriebs- und Trinkwassersystem darf dies gemäß TrinkwV (Trinkwasserverordnung), DIN 1988 (EN 1717) und DIN 1989 nur mit einer Sicherungseinrichtung, bezeichnet als "freier Auslauf" erfolgen (Rohrunterbrecher, Rohrtrenner, Systemtrenner u.ä. sind nicht zugelassen!). mehr...
Es empfiehlt sich, die Nachspeisung über einen Sensor und ein Magnetventil (mit Schmutzfänger) automatisch zu steuern.

Anlagensteuerung (Management)

Regenwasseranlagen müssen betriebssicher und bedienerfreundlich sein. Es empfiehlt sich daher der Einbau einer automatischen Anlagensteuerung. Sie sollte immer den Schutz der Pumpe vor Trockenlauf und bedarfsgerecht die Nachspeisung von Trinkwasser bei Regenwassermangel regeln. Bedarfsgerechte Nachspeisung bedeutet, dass bei Regenwassermangel nur soviel Trinkwasser eingespeist wird, wie erforderlich ist. Zu empfehlen ist darüber hinaus eine optische Füllstandskontrolle, sowie eine zusätzliche „Urlaubssicherung“, die verhindert, daß bei technischen Störungen unkontrolliert größere Mengen an Trinkwasser versickern können (Abschaltung der Nachspeisung bei ungewöhnlich langer Öffnungszeit, z.B. nach 1 Std., serienmäßig bei REWALUX-Anlagen).
Alle wasserkontaktierende Teile müssen korrosionsfrei sein. Der Tanksensor sollte mit gefahrlosem Schwachstrom arbeiten.
Schwimmerschalter erfüllen diese Bedingungen nur eingeschränkt. Die Schaltwege sind relativ lang und ungenau, so daß eine geringere Nutzung des Speichervolumens und ungenauere, größere Trinkwassernachspeisung erfolgt. Dies trifft auch für "Nachspeisemodule" zu, die über Schwimmerschalter ohne Führungsarm gesteuert werden.
 

Sicherheitseinrichtungen

Je nach Anlagenart und Gebäudetyp müssen folgende Sicherheitseinrichtungen installiert werden:

Wartung

Grundsätzlich ist jede Anlage zur Gewährleistung der dauerhaften Betriebssicherheit in bestimmten Intervallen zu warten. Bei einer guten Anlage sollten mechanisch belastete Teile wie die Pumpe oder das Magnetventil 2 mal jährlich, wartungsextensive Teile wie Filtersammler 1 mal jährlich geprüft und gewartet werden.
Bei dem vorher beschriebenen System sollte eine Speicherreinigung höchstens alle 5 - 10 Jahre erfolgen, da bei der Reinigung die wertvolle Bioschicht auf dem Sediment mit entfernt wird und eine Neubildung einige Wochen benötigt.

In der Praxis zeigt sich, daß wartungsintensive Bauteile (z. B. Kies-/Sandfilter, Gewebefeinfilter, Druckmembrangefäße an den Pumpen, Billigpumpen) die Wartungsfrequenz und die Folgekosten deutlich erhöhen. Werden viele wartungsintensive Teile eingebaut, wird im Extremfall die Anlage zur Beschäftigungstherapie und zum Folgekostengrab, nicht aber zu einer sinnvollen Gebäudetechnik.

Die Regenwasseranlagen von REWALUX sind fast wartungsfrei ausgelegt, wenn alle abgestimmten Baukomponenten eingesetzt werden und keine Kombination mit Fremdteilen erfolgt. Es müssen lediglich die Filter regelmäßig überprüft und ggf. gereinigt werden. Pumpe und Nachspeiseventil werden durch die Anlagensteuerung automatisch geprüft.
 

Planung und Bau

Grundsätzlich sind Regenwassernutzungsanlagen in jedem Gebäude installierbar. Ausnahmen ergeben sich bei Gebäuden, die keinen geeigneten Platz für den Speicher oder keine geeigneten Dachflächen haben oder nicht gegenüber einem Kanalrückstau abgesichert werden können.
Grundlagen der Planung sind die oben beschriebenen technischen Mindeststandards und die auffangbaren Wassermengen.

Die Speichergröße, orientiert sich hauptsächlich an der verfügbaren Dachfläche und Niederschlagsmenge. mehr...