Planung und Bau von
Regenwassernutzungsanlagen

von Detlev Steinle
FBR-Regenwasser-Experte

Grundsatzinformation

Jede Gebäudetechnik - wie z. B. auch die Heizung, die vom technischen Anspruch her mit der Regenwassernutzung gleichzusetzen ist - befindet sich in einer ständigen Weiterentwicklung. Trotzdem läßt sich heute schon ein erforderlicher technischer Mindeststandard realisieren, der sich aus der Praxis und Untersuchungen der letzten Jahre ergeben hat und in der zukünftigen neuen DIN 1989 dokumentiert wird. Sowohl bei Neubauten als auch bei nachträglichen Installationen sollten folgende Prinzipien grundsätzlich berücksichtigt werden:

Dachflächen

Extrem schmutzbelastete Dächer (Taubenschlag, regelmäßig starke Staubentwicklung in unmittelbarer Umgebung, z. B. Zementwerk) sollten nicht genutzt werden. Bis auf einige Ausnahmen sind alle Dachmaterialien für das Auffangen von Regenwasser geeignet. Nicht, bzw. eingeschränkt geeignet sind: Bei den Ableitsystemen (Dachrinnen und Fallrohre) ist peinlichst darauf zu achten sie so zu gestalten, daß eine zügige Abführung des Wassers erfolgt und keine Reste im System verbleiben ("Wassersäcke" in Dachrinnen). Die DIN 1986 ist zu beachten.

Verunreinigungen in Dachrinnen oder dem übrigen Ableitungssystem können zu unerwünschten Schmutzschüben und Ablage von Insekteneiern und -larven führen, die dann in den Speicher gelangen. Je nach Dachneigung und Dachbelag werden unterschiedlich große Niederschlagsanteile verdunstet oder zurückgehalten (z. B. Pfützenbildung bei Flachdächern). Grundsätzlich sollten alle geeigneten Dachflächen an eine Anlage angeschlossen werden.
 

Filterung (1. Reinigungsstufe)

Generell muß das Dachablaufwasser vor dem Eintritt in den Speicher feingefiltert werden (Orientierungsgröße: Maschenweite < 0,3 mm). Auf weitere Feinfilter nach dem Speicher sollte grundsätzlich verzichtet werden, da diese unnötig sind. Durch Strömungswiderstände wird oft die Lebensdauer der Pumpe stark verkürzt und Bakterienwachstum am Filtereinsatz macht sie zu regelrechten Keimschleudern.

Anforderungen an Filtersysteme:

Viele für Regenwasseranlagen angebotene Filtersysteme erfüllen diese Kriterien nicht, da sie den ausgefilterten Schmutz festhalten, zu einer Wassersperr- und Keimschicht anreichern und zuwachsen (z. B. Sand-/Kiesfilter, Mattenfilter, Gewebefilter u. ä.). Sie erfordern, um große Wasserverluste und eine Verkeimung zu vermeiden, intensive Wartungsarbeit und stellen eher eine Beschäftigungstherapie dar, anstelle einer sinnvollen Gebäudetechnik. Durch die Schmutzansammlung in diesen Filtern wird z.B. Vogelkot aufgelöst und gelangt in den Speicher. Eine nachträgliche Ausfilterung dieser Stoffe ist nicht mehr möglich.
Ideal sind hingegen Filtersysteme, die sich weitgehend selbst reinigen (Filtersammler, Standrohrfilter, Wirbelfeinfilter). Sie führen den Schmutz direkt in den Kanal ab. Vogelkot wird vom Dach nur abgelöst und in seiner festen Form in den Kanal geleitet. Das Wasser ist somit arm an Nährstoffen, durch die große Filteroberfläche aber stark mit Sauerstoff angereichert.
 Demonatrationen: Filtersammler  Wirbel-Fein-Filter: 
Sollen Filter im Speicher integriert sein?
Aus optischen Vereinfachungsgründen werden zwischenzeitlich Erdspeicher mit integriertem Filter angeboten. Es wird hierdurch eine einfachere Installation versprochen. Durch diese Werbeaussagen werden von vielen Anbietern die erheblichen Nachteile übersehen (oder verschwiegen): Aufgrund dieser erheblichen Risiken werden bei REWALUX Speicher mit integrierten Filtern nur eingeschränkt angeboten. Die REWALUX-Systeme sind so gestaltet, daß bei Bedarf der Filter direkt vor den Erdspeicher gesteckt werden kann und somit die Montage genauso einfach ist, wie bei einem integrierten Filter.

Speicher

Regenwasserspeicher dienen nicht nur der Lagerung sondern auch der Reinigung des Niederschlagswassers. Dabei ist die Reinigungsleistung unmittelbar von der Wasserführung im Speicher (Zulauf, Überlauf, Entnahme) abhängig. Dies gilt sowohl für Speicher im Außen- als auch im Innenbereich. Erdspeicher sind grundsätzlich den Innenspeichern vorzuziehen, da sie eine natürliche „Klimaanlage“ besitzen und keinen teuren Kellerraum benötigen. Eine eiserne Planungsregel besagt außerdem, daß Wasser außerhalb des Gebäudes nicht wieder ins Gebäude geführt werden sollte.

Bei Speichern im Innenbereich (Keller) ist unbedingt darauf zu achten, daß der Speicherüberlauf oberhalb der Rückstauebene (meist Straßenniveau) liegt, da sonst Überflutungsgefahr besteht. Kellerspeicher können auch nicht durch Rückstauklappen gegen Kanalrückstau gesichert werden. Eine solche Rückstauklappe würde eine Kellerüberflutung durch das eigene Dachablaufwasser verursachen.

Regenwasserspeicher müssen folgende Bedingungen erfüllen :

Diese Anforderungen werden in der Praxis fast nur von Speichern in monolithischer Bauweise erfüllt, d.h. Wasserbehälter aus einem Guß, ohne Fugen und Nähte. Fugen und Nähte in Erdspeichern bergen darüber hinaus noch das Risiko von Wurzelangiffen. In der Praxis haben sich monolithische Erdspeicher aus PE oder Beton bewährt und durchgesetzt.

Gewarnt sei ausdrücklich vor Erdspeichern im Heimwerker-Selbstbauverfahren und aus Betonringen. Speicher im Selbstbauverfahren können nur von qualifizierten Personen hergestellt werden, die über ausreichende Kenntnisse bei Materialverfahren und Statik verfügen. Bei Speichern aus Betonringen ist selbst bei fachgerechter Verarbeitung langfristig keine Dichtheitsgarantie gegeben, da Feuchtigkeitsspannungen und nachträgliche Erdsetzungen zu undichten Fugen führen könne.

Welches Material soll ich für meinen Erdspeicher wählen?
Sowohl PE, wie auch Beton haben ihre Berechtigung und jeweils spezielle Vorteile als Auswahlkriterium.
Untersuchungen haben ergeben, daß der ph-Wert des Regenwassers in Betonspeichern leicht (ca. 0,5 - 1 Punkt) angehoben wird, wobei in PE-Speicher festgestellt wurde, daß die Keimzahl etwas geringer ist.
Diese Untersuchungen sind Laborwerte und sollten für die Speicherauswahl nicht überbewertet werden, da sie in der Praxis bei der häuslichen Anwendung keine Auswirkung haben.
Die Entscheidung sollte daher nach der Bausituation getroffen werden:

  • PE-Speicher können leicht per Hand transportiert und eingebaut werden, eignen sich besonders für den Einbau im Gartenbereich oder schwer zugänglichen Grundstücksbereichen, wenn keine Überfahrbarkeit erforderlich ist. PE-Speicher werden meist anschlußfertig mit strömungsberuhigtem Zulauf und Überlaufsiphon geliefert.
  • Betonzisternen eignen sich für den Einbau in Verkehrs- und Stellflächen, wo eine Überfahrbarkeit erforderlich ist. Sie müssen mit einem Kran versetzt und die Zubehörteile (Zu- und Ablauf) vor Ort eingebaut werden. Der Montageaufwand ist geringfügig höher gegenüber einem anschlußfertigen PE-Speicher.
  • Strömungsberuhigte Zulauf (2. Reinigungsstufe)

    Das frische, mit Sauerstoff angereicherte Wasser muß im Speicher strömungsberuhigt nach unten zugeführt werden. Stoffe, die schwerer als Wasser sind müssen sich am Speicherboden absetzen (Sedimentation) und dürfen nicht aufgewirbelt werden. Auf diesem beruhigten Bodensediment bildet sich nach einiger Zeit ein positiver Bakterienflor, der Sauerstoff benötigt um seine Reinigungswirkung im Speicher voll zu entfalten und somit eine oxydative Sedimentation entsteht (mikrobiologische Klärwerksfunktion).
    Beim Einsatz der vorher beschriebenen Filtersysteme beträgt die Sedimentationsmenge im Jahr ca. 2 mm, d.h. in 10 Jahren hat sich im Speicher eine Sedimentationsschicht von nur 2-3 cm gebildet.
    Eine Wasserführung im Speicher, bei der das Wasser durch Filtermedien von oben hineintröpfelt kann keine optimale Oxydation auf dem Sedimentboden erzeugen. Langfristig kann bei solchen Systemen auf dem Speicherboden Faulschlamm durch Sauerstoffmangel entstehen. Das Wasser ist dann im oberen Bereich frisch, aber im unteren Bereich muffig. Die mirkobiologische Selbstreinigung arbeitet nicht ausreichend und das Wasser muß dann verworfen werden.
    Die Wasserentnahme muß so gestaltet sein, daß eine Verwirbelung und Ansaugung des Bodensedimentes zuverlässig verhindert wird.
     Demo

    Überlauf (3. Reinigungsstufe)

    Der Überlauf des Speicher muß mit einem groß dimensionierten Geruchsverschluß gegen Kanalgase und einer Sicherung gegen Ratten ausgestattet sein. Der Geruchsverschluß muß so ausgebildet sein, daß auch bei längeren Trockenperioden ein zuverlässiger Abschluß des Überlaufs gewährleistet ist (großer Siphon oder permanenter mechanischer Verschluß)
    Die speicherseitige Ablauföffnung muß als Skimmer ausgebildet sein, um sicherzustellen, daß beim Überlauf die Schwimmschicht aus fetthaltigen Schmutzpartikeln und Pollen automatisch abgezogen wird, eine Technik die im Schwimmbadbau schon lange erprobt ist.

    Durch die wichtige Funktion des Überlaufs wird auch die Speichergröße begrenzt, da sichergestellt werden muß, daß der Speicher möglichst mehrmals im Jahr überläuft.

    Alle Erdspeicher müssen gegen Rückstau aus dem Kanal oder einer Versickerung gesichert sein. Hierbei ist die jeweils örtliche Rückstauebene zu berücksichtigen, die im Zweifel, wenn vom Bauamt nicht anderes angegeben, mit der Höhe des Straßenniveaus anzunehmen ist. Liegt der Speicherüberlauf unterhalb der Rückstauebene (meistens) müssen technische Rückstausicherungen eingebaut werden (z.B. Rückstauklappe, ANIMEX, Hebeanlage)

    Das Fehlen der 2. und 3. Reinigungsstufe führt nach einiger Zeit häufig zu jauchig riechendem Wasser.
     

    DIN-Hinweis zum Anschluss des Überlaufs:
    Nach der neuen DIN 1989, Teil 1, soll der Überlaufanschluss an einen Kanal oberhalb der Rückstauebene erfolgen. Liegt der Überlaufanschluss unterhalb der Rückstauebene wird folgende Sicherheitseinrichtung empfohlen:

    - bei Anschluss an Regenwasserkanal / Versickerungsanlage Rückstausicherung und Kleintiersperre
    - bei Anschluss an Schmutzwasser- / Mischkanal Hebeanlage über die Rückstauebene

    Der ANIMEX-Sicherheitsüberlauf ist eine Rückstausicherung mit integrierter Kleintiersperre.
    Kleintiersperren wie z.B. Sterne, Spiralen, etc. stellen eine Querschnittsverengung im Überlaufrohr dar und dürfen gem. DIN nicht verwendet werden.

    Die DIN (Deutsche Industrie Norm) dokumentiert den Stand der Technik, wie er von den Ausschussmitgliedern der Industrie definiert wurde. Sie ist ausdrücklich keine Gesetzesvorschrift!
     

    Pumpen / Hauswasserwerke

    Je nach Anlage können unterschiedliche Pumpentypen verwendet werden. Durch die Wahl von bedarfsangepaßten Ein- und Ausschaltdrücken werden Pumpe und Leitungssystem geschont. Auf jeden Fall sollten für das Kernstück einer Anlage hochwertige Produkte verwendet werden.
    Vor Billigangeboten wird ausdrücklich gewarnt, sie sind langfristig durch hohen Verschleiß und häufigen Ausfall teurer und stellen keine Ersparnis dar. Billige Pumpen haben oft einen hohen Stromverbrauch und wandeln diesen anstelle in Pumpleistung in Wärme und Lärm um.
     

    Anforderungen an eine Pumpe/Hauswasserwerk:
     

    Diese Kriterien werden fast nur von mehrstufigen Kreisel- oder teuren Kolbenpumpen erfüllt. Die Pumpen können sowohl trocken (Kellerpumpen/Saugpumpen), wie auch naß (Tauchpumpen) aufgestellt werden.

    Tauchpumpen haben einen energetisch besseren Wirkungsgrad gegenüber Saugpumpen, da hier keine Saugverluste anfallen. Hinzu kommt, dass bei Tauchpumpen keine störanfällige und teure Saugleitung (Vakuumleitung) vorhanden ist und die Pumpen geräuschmindernd im Speicher außerhalb des Hauses montiert sind. Es entstehen keine Pumpengeräusche in Haus, wenn z.B. nachts die Toilette benutzt wird. Physikalische Beschränkungen bezüglich Sauglänge und Saughöhe bestehen nicht.

    Bei der Verwendung von Tauchpumpensystemen ist darauf zu achten, nur solche Systeme zu verwenden, die kein Sediment ansaugen können (Sedimentprotektor oder schwimmende Entnahme) und jederzeit zugänglich sind ohne in den Speicher einsteigen zu müssen (Reparaturfreundlichkeit).

    REWALUX hat bereits seit 1994 sehr positive Erfahrungen mit der Verwendung von Tauchpumpen. Die Systeme wurden wartungsfrei und reparaturfreundlich entwickelt, sodaß zwischenzeitlich über 95% der Nutzer von REWALUX-Anlagen die Vorteile des störungs- und geräuschfreien Betriebes zu schätzen wissen.

    Verwenden Sie auf keinen Fall sog. Hauswasserwerke, d.h. Jet-Pumpen mit Ausdehnungsgefäß. In diesen undurchspülten Ausdehnungsgefäßen entwickeln sich Bakterien, die das Wasser aufgrund von Sauerstoffmangel faulen lassen und die Gummimembrane des Ausdehnungsgefäßes zerfressen.

    Technischer Vergleich von Pumpentypen

    Soll bei der Nutzung für die Waschmaschine ein zusätzlicher Feinfilter verwendet werden?

    Bereits in den vorherigen Kapiteln über die Reinigungsstufen ist ausgeführt, daß die Wasserqualität aufgrund der 3 natürlichen Reinigungsstufen so gut ist, daß keine weiteren Filter erforderlich sind.

    Im Gegenteil verursacht ein zusätzlicher Feinfilter aus der Trinkwassertechnik ein unnötiges Risiko, Wartungsaufwand und Folgekosten. Aufgrund der häufig klaren Filtertassen besteht das Risiko von Algenbildung. Im Filtergewebe bildet sich Pilzmyzel, das auch durch regelmäßige und häufige Reinigung – oder Rückspülung - nicht entfernt werden kann, da es sich innerhalb des Filtergewebes ansiedelt. Es müsste somit die Filterkartusche ständig erneuert werden, was erhebliche Kosten verursacht.
    Sitzt ein solcher Feinfilter bei Saugpumpen vor der Pumpe in der Saugleitung, sprechen die Experten vom „schnellen Pumpentod“, da bei zugewachsenem Filter die Pumpe trocken läuft.
    Sitzt ein Feinfilter hinter der Pumpe in der Druckleitung, sprechen die Experten vom „langsamen Pumpentod“, da bei zugewachsenem Filter die Pumpe „taktet“ und der Elektromotor aufgrund der übermäßigen Schalthäufigkeit überlastet wird. Hinzu kommt, dass aufgrund der Pumpendruckleistung Keime und Pilze aus der Filterkartusche in das Rohrleitungssystem gedrückt werden und die Anlage infizieren. Die manchmal gut gemeinte Vorsicht eines Installateurs hat genau die gegenteilige Wirkung zum Schaden des Nutzers.
     

    Trinkwassernachspeisung

    Wenn in langen Trocken- und Frostperioden der Regenwasservorrat nicht ausreicht, muß zur Gewährleistung der Betriebsbereitschaft bedarfsgerecht Trinkwasser in die Anlage eingespeist werden.

    Unter der Vorgabe der strikten Trennung von Betriebs- und Trinkwassersystem darf dies gemäß TrinkwV (Trinkwasserverordnung), DIN 1988 (EN 1717) und DIN 1989 nur mit einer Sicherungseinrichtung, bezeichnet als "freier Auslauf" erfolgen (Rohrunterbrecher, Rohrtrenner, Systemtrenner u.ä. sind nicht zugelassen!).
    Das Rohrende des Trinkwassersystems muß sich mit einem Abstand vom doppelten Auslaufrohrdurchmesser, mindestens aber 2 cm, oberhalb der Kante des Einlauftrichters ins Regenwassersystem befinden (siehe Skizze), wobei auf eine rückstaufreie Leitungsführung im drucklosen Teil ab Trichter bis hin zum Speicher zu achten ist.
    Grundsätzlich sollte sich der freie Auslauf oberhalb der Rückstauebene befinden um Gebäudeüberflutungen bei Zisternenrückstau zu vermeiden. Er darf sich nie im Speicher selbst oder Domschacht des Speichers befinden.  Die DIN 1989 führt hierzu unmißverständlich aus: "Die Sicherungseinrichtung ist außerhalb des Regenwasserspeichers und außerhalb des Einstiegschachtes (Dom) zu installieren."
    Es empfiehlt sich, die Nachspeisung über einen Sensor und ein Magnetventil (mit Schmutzfänger) automatisch zu steuern.

    Eine Rohr- oder Schlauchverbindung zwischen Regenwasserleitung und Trinkwasserleitung mit Absperrhähnen, Magnetventilen oder Rückflußverhinderern dazwischen zum einfachen Umschalten ist keine ausreichende Sicherheitseinrichtung im Sinne der Vorschriften und daher verboten. Der Grund für diese strenge Vorschrift ist nicht eine Regelungswut von Behörden, sondern die Tatsache daß eventuelle Keime in Regenwasserleitungen auch gegen die Fließrichtung durch Absperrarmaturen wachsen und damit ein komplettes Trinkwassernetz infizieren können. Durch die "Luftstrecke" bei einem freien Auslauf wird dies zuverlässig unterbunden.

    Auf dem Markt befinden sich von verschiedenen Herstellern sogenannte "Nachspeisemodule" oder "Kompakteinheiten", die das Trinkwasser aus einer separaten Box direkt in die Saugleitung der Pumpe einspeisen (irrtümlich auch als "Direktumschaltung" bezeichnet).
    Die meisten Nachspeisemodule arbeiten nur mit einer integrierten selbstansaugenden Pumpe (Hauswasserwerk) und unterliegen daher physikalischen Grenzen (max. Sauglänge ca. 12 m, max. Saughöhe ca. 7 m, Saugleitung muß steigend zum Haus verlaufen). Ein Betrieb solcher "Nachspeiseboxen" mit energetisch wirkungsvolleren Tauchpumpen, die keine Geräusche im Haus verursachen, ist aus physikalischen Gründen nicht möglich, es sei den, es wird eine zusätzliche Nachspeiseleitung zur Tauchpumpe in der Zisterne geführt (=Nippel rückwärts durch die Lasche geführt!).
    Untersuchungen haben darüberhinaus gezeigt, daß Nachspeisemodule keine Einsparung bei der Trinkwassernachspeisung bringen gegenüber einer "klassischen" Nachspeisung in die Zisterne, wenn diese durch eine gute elektronische Steuerung bedarfsgerecht gesteuert und überwacht wird.
    Des weiteren sollte der Interessent eines "Nachspeisemoduls" wissen, daß aufgrund der unterschiedlichen Saugverluste beim Saugbetrieb aus der Zisterne oder dem Betrieb aus dem Nachspeisebehälter auch unterschiedliche Druckverhältnisse an den Verbrauchern entstehen, wenn es sich um ein Modul mit nur einer Saugpumpe ohne zusätzliche Ladepumpe in der Zisterne handelt.
    Nachspeisemodule, die mit herkömmlichen Schwimmerschaltern ohne Führungsarm angesteuert werden sind abzulehnen, da bei solchen Modulen nicht sichergestellt ist, ob bereits bei geringen Regenwassermengen rechtzeitig von Trinkwasser auf Regenwasser zurückgeschaltet wird. Bei solchen Modulen kann aufgrund der verzögerten Umschaltung der Trinkwasserverbrauch sogar höher sein als bei einer elektronisch gesteuerten und überwachten Nachspeisung direkt in die Zsiterne.

    Grundsätzlich sollte es sich jeder Betreiber genau überlegen, ob sich für ihn die höheren Anschaffungskosten eines solchen Moduls lohnen, da der Betriebskomfort gegenüber einem Tauchpumpensystem geringer ist, keine Trinkwassereinsparung gegenüber einer elektronisch Nachspeisung zu erwarten ist und eine Überwachung der Zisterne, sowie angeschlossener Verbraucher durch Nachspeisemodule nicht möglich ist.

    Anlagensteuerung (Management)

    Regenwasseranlagen müssen betriebssicher und bedienerfreundlich sein. Es empfiehlt sich daher der Einbau einer automatischen Anlagensteuerung. Sie sollte immer den Schutz der Pumpe vor Trockenlauf und bedarfsgerecht die Nachspeisung von Trinkwasser bei Regenwassermangel regeln. Bedarfsgerechte Nachspeisung bedeutet, dass bei Regenwassermangel nur soviel Trinkwasser eingespeist wird, wie erforderlich ist. Zu empfehlen ist darüber hinaus eine optische Füllstandskontrolle, sowie eine zusätzliche „Urlaubssicherung“, die verhindert, daß bei technischen Störungen unkontrolliert größere Mengen an Trinkwasser versickern können (Abschaltung der Nachspeisung bei ungewöhnlich langer Öffnungszeit, z.B. nach 1 Std., serienmäßig bei REWALUX-Anlagen).
    Alle wasserkontaktierende Teile müssen korrosionsfrei sein. Der Tanksensor sollte mit gefahrlosem Schwachstrom arbeiten.
    Schwimmerschalter erfüllen diese Bedingungen nur eingeschränkt. Die Schaltwege sind relativ lang und ungenau, so daß eine geringere Nutzung des Speichervolumens und ungenauere, größere Trinkwassernachspeisung erfolgt. Dies trifft auch für "Nachspeisemodule" zu, die über Schwimmerschalter ohne Führungsarm gesteuert werden.
     

    Sicherheitseinrichtungen

    Je nach Anlagenart und Gebäudetyp müssen folgende Sicherheitseinrichtungen installiert werden:

    Wartung

    Grundsätzlich ist jede Anlage zur Gewährleistung der dauerhaften Betriebssicherheit in bestimmten Intervallen zu warten. Bei einer guten Anlage sollten mechanisch belastete Teile wie die Pumpe oder das Magnetventil 2 mal jährlich, wartungsextensive Teile wie Filtersammler 1 mal jährlich geprüft und gewartet werden.
    Bei dem vorher beschriebenen System sollte eine Speicherreinigung höchstens alle 5 - 10 Jahre erfolgen, da bei der Reinigung die wertvolle Bioschicht auf dem Sediment mit entfernt wird und eine Neubildung einige Wochen benötigt.

    In der Praxis zeigt sich, daß wartungsintensive Bauteile (z. B. Kies-/Sandfilter, Gewebefeinfilter, Druckmembrangefäße an den Pumpen, Billigpumpen) die Wartungsfrequenz und die Folgekosten deutlich erhöhen. Werden viele wartungsintensive Teile eingebaut, wird im Extremfall die Anlage zur Beschäftigungstherapie und zum Folgekostengrab, nicht aber zu einer sinnvollen Gebäudetechnik.

    Die Regenwasseranlagen von REWALUX sind fast wartungsfrei ausgelegt, wenn alle abgestimmten Baukomponenten eingesetzt werden und keine Kombination mit Fremdteilen erfolgt. Es müssen lediglich die Filter überprüft werden. Pumpe und Nachspeiseventil werden durch die Anlagensteuerung automatisch geprüft.
     

    Planung und Bau

    Grundsätzlich sind Regenwassernutzungsanlagen in jedem Gebäude installierbar. Ausnahmen ergeben sich bei Gebäuden, die keinen geeigneten Platz für den Speicher oder keine geeigneten Dachflächen haben oder nicht gegenüber einem Kanalrückstau abgesichert werden können.
    Grundlagen der Planung sind die oben beschriebenen technischen Mindeststandards und die auffangbaren Wassermengen.

    Die Speichergröße, orientiert sich hauptsächlich an der verfügbaren Dachfläche und Niederschlagsmenge und berechnet sich aus:

    Regenwasserertrag/Jahr in m³ x Ladebeiwert (0,06) = Speichergröße in m³.

    Falls der Bedarf an Regenwasser geringer ist als der Ertrag, kann die Berechnung der Speichergröße anstelle des jährlichen Regenwassertrags auch nach dem jährlichen Regenwasserbedarf erfolgen. Hierbei ist aber zu bedenken, daß im Laufe der Betriebszeit einer Regenwassernutzungsanlage der Regenwasserbedarf durch Veränderung der Personenzahl variieren kann.

    Sie gelangen auch hier zur Online- Online-Berechnung für Regenwasserspeicher für Regenwasserspeicher nach DIN 1989. Dieses Programm weist bei größeren Differenzen zwischen Regenwassertrag und Regenwasserbedarf  die Brechnungsgrundlage aufgrund Ihrer Eingaben im Ergebnis aus und schlägt ggf.  verschiedene Speichergrößen je nach Berechnungsart vor. Es besteht dann die Möglichkeit, sich für eine individuelle Speichergröße innerhalb der vorgeschlagenen Speichergrößen zwischen Minimum und Maximum zu entscheiden.

    Gewarnt sei vor zu großen Speichern, da diese zu selten überlaufen, kann die Schwimmschicht nicht abgeschwemmt werden (Fehlen der 3. Reinigungsstufe), in der Folge fault das Wasser und muß dann verworfen werden. Im übrigen zeigt die Praxis, daß auch mit einem eigentlich knapp dimensionierten Speicher noch ein verblüffend hoher wirtschaftlicher Nutzen erzielbar ist.

    Computersimulationen haben ergeben, daß bei doppeltgroßem Speichervolumen wie dem Optimum lediglich eine Nutzungssteigerung von ca. 5% erzielt wurde, aber bei halbgroßem Speichervolumen immer noch eine beachtliche Deckungsrate von ca. 85% erzielt werden konnte.

    In der Praxis ist leider immer wieder festzustellen, daß ungenügend informierte "Fachleute" oder gut geschulte Verkäufer  weit überdimensionierte Speicher anbieten, nach dem falschen Motto "viel hilft viel".

    Sorgfalt ist bei der Auftragsvergabe an Installationsbetriebe und Regenwasser-Fachfirmen geboten. Obwohl die Regenwassernutzung seit über 10Jahren als Gebäudetechnik bekannt ist, haben einige ausführende Firmen nur wenig Erfahrung bei der Installation von Regenwassernutzungsanlagen. Nicht jede Firma, die Regenwasserspeicher oder Pumpen anbietet ist auch ein Spezialist für komplette Anlagen.
    Prüfen Sie bei dem Betrieb Ihrer Wahl, ob komplette, abgestimmte Systeme angeboten werden und lassen Sie sich einige Referenzanlagen nennen. Lassen Sie sich auch die Berechnungsgrundlagen für Ihre Speicherdimensionierung erläutern.

    Ein Hauptfehler ist meist bereits bei der Planung festzustellen. Oft besteht noch die altertümliche Vorstellung, leider auch bei einigen Architekten und Planungsbüros, daß eine Regenwassernutzungsanlage lediglich aus einem Sammelbehälter mit je einem Loch für Zu- und Ablauf, sowie einem Hauswasserwerk besteht. Die Fallrohre werden ohne Filter direkt angeschlossen, wie früher bei einer Jauchegrube, anschließend wird dann lediglich ein "Saugrohr" ohne Leerrohr in der Erde vergraben.

    Ein weiterer grober Fehler erfolgt dann bei der Auftragsvergabe. Der Bau einer Regenwassernutzungsanlage wird in zwei unabhängige Teilbereiche aufgeteilt. Der Roh- oder Tiefbauer soll beim Bauaushub gleich den Erdspeicher und die Grundleitungen, der Installateur später die restliche Anlagentechnik einbauen.
    Diese unkoordinierte Auftragsaufteilung führt in den meisten Fällen zu technischen Problemen, die sogar den Bau einer funktionierenden Anlage verhindern können, oder nur mit kostspieligen Änderungen ermöglichen. Insbesondere sei davor gewarnt, erst einmal ohne Komplettplanung einen beliebigen Wasserspeicher zu setzen und später die restliche Anlagentechnik auszuwählen und einzubauen.
    Die Bauausführung der gesamten Anlage sollte möglichst in einer Hand liegen. Da die Bauausführung mehrere Gewerke umfasst ist es oft schwierig einen verantwortlichen "Generalunternehmer" für den Einbau der komplette Regenwassernutzungsanlage zu finden. Wenn der Anlageneinbau auf  verschiedene Unternehmer aufgeteilt werden muß, ist der Einbau zumindest von einer verantwortlichen Person (Bauleiter) unter Berücksichtigung der einzubauenden Gesamtanlage und der Einbauanleitungen zu koordinieren und zu überwachen. Die Einbauüberwachung kann auch vom Bauherren/Baufrau anhand dieses Ratgebers und der Einbauanleitungen selbst durchgeführt werden.