Grundsätze zur Regenwassernutzung

Ökologische Aspekte

Über 2/3 der Erde sind mit Wasser bedeckt. Diese Wassermassen stehen aber für den menschlichen Gebrauch nicht zur Verfügung, denn Trinkwasser ist knapp und steht regional sehr unterschiedlich bereit - auch wenn Gegner der Regenwassernutzung immer wieder etwas anderes behaupten.

Von den gesamten Wassermassen der Erde sind:


 


 

Diese 0,3% befinden sich in einem permanenten Kreislauf, da Wasser nicht verbraucht, sondern nur genutzt wird. Voraussetzung für die Nutzung ist aber, daß der Kreislauf von Verdunstung - Niederschläge - Versickerung nicht unterbrochen wird.
 
 
 
 
 
 

Aufgrund der Versiegelung unserer Böden durch Haus- und Straßenbau, sowie intensive Holznutzung mit der Verringerung von Mischwäldern ist die Neubildung von Grundwasser reduziert und es wird für die Trinkwassergewinnung mehr Grundwasser gefördert als sich neu bilden kann.
Durch den übermäßig großen Oberflächenabfluß kommt es bei Starkregen vermehrt zu Hochwasser und Überschwemmungen.

Ballungsgebiete, die selbst über keine ausreichenden Grundwasservorkommen mehr verfügen, beziehen ihren Wasserbedarf über Fernleitungen aus ländlichen Regionen, was zur Folge hat, daß z.B. die Lüneburger Heide verändert ist und kaum noch typische Heide und Moorflächen vorhanden, sowie im hessischen Ried und Vogelsberg massive Grundwasserabsenkungen mit ökonomischen und ökologischen Schäden entstanden sind. In Laufe der letzten Jahre sind im Vogelsberg ganze Quellen versiegt und Bäche verschwunden. Eine Quelle der Weser, die Fuldaquelle auf der Wasserkuppe, ist nur noch zu einem Rinnsal reduziert.
Verstärkt müssen Wasserwerke Oberflächenwasser mit immer höheren Kosten zu Trinkwasser aufbereiten.

Regenwassernutzer reduzieren zwar nicht unbedingt ihren Wasserbedarf, aber sie reduzieren den wertvollen Trinkwasserbedarf und tragen gleichzeitig durch Nutzung des Niederschlagswassers zur Verringerung des schnellen Oberflächenabflußes bei, was bei flächendeckender Nutzung die Hochwassergefahr erheblich reduziert (vgl. Kapitel über "Regenwassernutzung und Abwasser").
 

Regenwasserqualität und Einsatzbereiche

Die Qualität des Betriebswassers (Nutzwassers aus Regenwasser) hat meist wenig zu tun mit dem verschmutzten Dachablaufwasser, wie wissenschaftliche Untersuchungen von Regenwasser bisher ergeben haben.
Im Gegenteil: Das Wasser kann bei einer richtig gebauten Anlage, entsprechend diesen Planungsrichtlinien, die europäischen Grenzwerte für Badegewässer einhalten. Das Wasser ist dann dauerhaft klar, geruch- und farblos und frei von Feststoffen. Der Waschmaschinenbetrieb mit Regenwasser kann, ohne weitere Filter, uneingeschränkt empfohlen werden.
Die EU-Grenzwerte für Badegewässer sind so definiert, daß weder bei längerem Körperkontakt, noch bei versehentlichem Verschlucken, Erkrankungen ausgelöst werden können. Weiterhin haben diese Untersuchungen an verschiedenen Hygieneinstituten gezeigt, daß bei trockener Wäsche kein bakteriologischer Unterschied festzustellen ist zwischen Wäsche mit Trinkwasser, oder Wäsche mit Regenwasser gewaschen.

Horrorgeschichten über Regenwasser, die teilweise sogar noch unwissend von regionalen Gesundheitsämtern verbreitet werden, stammen meist von Personen und Gruppen, die nicht wissen wie eine Regenwassernutzungsanlage richtig gebaut wird, oder verbreiten solche Falschinformationen, um damit bestimmte, eigene Geschäftsinteressen zu verfolgen.
Manchmal wird sogar fälschlich behauptet, das Wäschewaschen mit Regenwasser würde mit der Gültigkeit der neuen Trinkwasserverordnung (TVO) ab 1.1.2003 verboten. Personen, die diese Behauptung aufstellen, sind entweder ungenügend informiert, oder verbreiten vorsätzlich eine Unwahrheit. In der Begründung zur Trinkwasserverordnung (Bundesrat Drucksach 721/00) wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Verwendung von Regenwasser zum Wäschewasche der eigenen Entscheidung und Verantwortung des Verbrauchers überlassen bleibt!
Führende Dermatologen sehen auch keine Bedenken bei der Regenwassernutzung für Allergiker. Durch Regenwasser selbst werden keine Allergien ausgelöst. Allergieauslöser sind entweder bestimmte Stoffe in Textilien, oder chemische Rückstände aus Waschmitteln. Bei der Nutzung von Regenwasser für die Waschmaschine wird aufgrund des weichen Wassers meist erheblich weniger Waschmittel benötigt als bei Trinkwasser, was zum geringeren Risiko von Waschmittelrückständen in der Wäsche führt. Diese Tatsache war bereits unseren Großmüttern bekannt.

Bei einer Chaos-Versuchsanordnung in Bremen wurde sogar ein Sicherheitsbeweis erbracht :
Eine Regenwasserzisterne mit 3.000 Ltr. Inhalt wurde vorsätzlich mit 3 Kg Vogelkot versetzt (entspricht einem Volumen von ca. 2 gehäuften Händen voll ) und anschließend das Wasser auf 38ºC erwärmt. Die Messungen der Keime am staatl. Hygieneinstitut Bremen über einen längeren Zeitraum ergaben ein überraschendes Ergebnis. Nach ca. 1 Woche war keine erhöhte Keimzahl mehr festzustellen, die Anlage hatte sich mikrobiologisch selbst gereinigt.

Voraussetzung für eine solch gute und stabile Wasserqualität ist die Einhaltung eines bestimmten technischen Mindeststandards. Werden dagegen Fehler bei der Planung, Bauteileauswahl oder Ausführung gemacht, kommt es u.U. zu einer drastischen Qualitätsverschlechterung, die sich recht schnell durch Geruchsentwicklung bemerkbar macht.

Bei allen Gebäudetechniken (wie z. B. auch bei der Heizung) ist eine solide Technik für einen störungsfreien und wartungsarmen Anlagenbetrieb unabdingbar.

Der Einsatz von Regenwasser kommt in Wohngebäuden für folgende Bereiche in Betracht:
· WC-Spülung
· Waschmaschine
· Putzen und Reinigen
· Garten- und sonstige Bewässerungen.

Dies sind alles Anwendungsbereiche, in denen eine gute Wasserqualität, aber keine Trinkwasserqualität erforderlich ist. Für eine reine Gartenbewässerung, die keine besonderen Ansprüche an die Wasserqualität stellt, sollte aus wirtschaftlichen Gründen keine komplette Regenwasseranlage gebaut werden, einige Regentonnen für die Sommermonate reichen hier vollkommen aus.

Aus der nebenstehenden Statistik für den jährlichen Wasserverbrauch ist zu erkennen, wo die größten Wasserverbraucher im privaten Haushalt sind:

Für Gartenbewässerung werden lediglich 6 m³ pro 100 m² Nutzgarten verbraucht.

Durch die Nutzung von Regenwasser können bis zu 60% des häuslichen Trinkwasserverbrauchs eingespart werden, vorausgesetzt genügend Regenwasserertrag ist vorhanden.

Aus den aufgezeigten Anwendungsbereichen ist auch zu erkennen, daß hier kein hochwertiges Lebensmittel, also kein Trinkwasser erforderlich ist. In emotional geführten Diskussionen werden von Gegnern der Regenwassernutzung häufig die Trinkwasserrichtlinien als Maßstab genommen, was zu unsinnigen und falschen Ergebnissen führt.

Leider gibt es mittlerweile auch unseriöse Geschäftemacher, die unter falschen Voraussetzungen und Panikmache mit Horrorgeschichten unsinnige, teure und überflüssige Hygienetechnik, angeblich speziell für die Regenwassernutzung verkaufen wollen.
 

Regenwassernutzung und Abwasser

Betreiber von Regenwassernutzungsanlagen leisten sowohl ökologisch, wie auch volkswirtschaftlich einen wertvollen Allgemeinbeitrag. Vordergründig wird bei der Regenwassernutzung oft nur der Effekt der Trinkwassereinsparung und Schonung wertvoller Grundwasserresourcen gesehen, sowie die Ersparnis hoher Gebühren.

Die abwassertechnischen Vorteile einer Regenwassernutzungsanlage sind nicht unbedeutender:
· Reduzierung der häuslichen Abwassermenge
· Funktion eines Regenrückhaltebeckens
· Hochwasserschutz
· Verringerung der Rückstaugefahr im Kanalnetz
· Gleichmäßigere Abwasserqualität ohne Verdünnungen durch Regen
· Bessere Reinigungsleistung im Klärwerk durch unverdünntes Abwasser
· Einsparung von Ausbaukosten für Abwasserkanäle und Klärwerke

Die Stadt Hamburg, einer der Pioniere der Förderung von Regenwassernutzung, hat bereits vor Jahren diese Vorteile erkannt und erhebliche Kosten für Kanalerweiterungen eingespart, indem Fördermittel für den Bau von Regenwassernutzungsanlagen zur Verfügung gestellt wurden.
Untersuchungen haben ergeben, daß der flächendeckende Einbau von Regenwassernutzungsanlagen in Siedlungen eine Reduzierung des Spitzenabwassers bei Regen bis zu 30% erbringt. Das bedeutet, Städte und Gemeinden können zusätzliches Bauland ausweisen, ohne die vorhandene Kanalisation und Klärwerke erweitern zu müssen.

Die nachfolgenden Grafiken zeigen schematisch den Unterschied im jährlichen Abwasseraufkommen bei einem Haus ohne, und mit Regenwassernutzung.

Aus den vorstehenden Skizzen ist am Beispiel einer Mischkanalisation zu erkennen, daß bei einem Haus mit Regenwassernutzung die Kanalisation stark entlastet wird. Die Kanalentlastung ist besonders wirkungsvoll bei sommerlichen Starkregen, da hier die Funktion des Rückhaltebeckens greift und das Regenwasser nur bei Nutzung der Toiletten und Waschmaschine in geregelten häuslichen Abwasserportionen abgegeben wird.

Es gibt leider immer noch Menschen, auch in Amtsstuben, die der Auffassung sind, Regenwassernutzer beschummeln die Öffentlichkeit um die Abwassergebühr und schüren die Angst, zusätzliche Abwassergebühren für Regenwassernutzungsanlagen einführen zu wollen.
Diese Auffassung ist insbesondere bei Mischkanalsystemen falsch, da das Regenwasser nachträglich nicht getrennt werden kann und grundsätzlich als Abwasser behandelt wird, mit allen negativen Auswirkungen (Verdünnungseffekt, Überlauf des Klärwerkes bei Unwetter, etc.).
Regenwassernutzer leiten die gleiche Menge Regenwasser zur Entsorgung in den Kanal ein, wie Nichtnutzer, nur verzögert und in kleinen Portionen. Durch die Einsparung beim Trinkwasser wird aber im Regenwassernutzerhaushalt die Gesamtabwassermenge um die Regenwassermenge tatsächlich reduziert. Es wäre daher ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz, Regenwassernutzer mit einer zusätzlichen Gebühr gegenüber Nichtnutzern zu belasten.

Immer mehr Gemeinden verlangen aufgrund der abwassertechnischen Vorteile, bei Neubauten den Einbau einer Regenwassernutzungsanlage als Bauauflage. Die Mehrkosten für eine solche Anlage betragen beim Neubau oft weniger als 1 % der allgemeinen Hausanschaffungskosten und amortisiert sich häufig schneller als eine Solaranlage.


Regenwassernutzung und Versickerung

Eine ökologisch optimale Kombination stellt die Verbindung von Regenwassernutzung mit nachgeschalteter Versickerung des Überschusswassers aus der Regenwassernutzungsanlage dar. Durch die Nutzung von Regenwasser werden wertvolle Grundwasservorkommen geschont und nichtgenutztes Regenwasser wird versickert. Diese Kombination wird in Fachkreisen auch als Regenwasserbewirtschaftung bezeichnet.

Nun könnte man auf die Idee kommen, wenn Regenwasser versickert wird ist eine Regenwassernutzung überflüssig, da es im Wasserhaushalt gleich sei, ob Grundwasser gefördert und genutzt wird bei gleichzeitiger Versickerung von Regenwasser in vergleichbaren Mengen.
Eine solche Auffassung klingt vordergründig logisch ist aber in der Praxis ein Trugschluß.

Bei der Versickerung von Regenwasser wird dem Boden zwar Wasser zugeführt, dies bedeutet aber nicht, daß die zugeführte Wassermenge auch Grundwasser neu bildet. Der Boden speichert zunächst das zugeführte Wasser in den oberen Bodenschichten, so daß es von Wurzeln aufgenommen werden kann. Über die Pflanzen wird dieses Bodenwasser dann wieder dem Verdunstungskreislauf zugeführt, so daß nur ein Bruchteil des versickerten Wassers für eine Grundwasserneubildung verfügbar bleibt. Hinzu kommt noch ein erheblicher Zeitfaktor, da Grundwasserschichten zur Trinkwassergewinnung viele Meter tief liegen und Sickerwasser je nach Bodenschichten teilweise Jahre benötigt, um bis zur Grundwasserschicht zu gelangen, wenn überhaupt.

Ein weiterer Faktor für den Trugschluß ist die räumliche Trennung zwischen Grundwassergewinnung und Wasserverbrauch, bzw. Versickerung. Häufig wird das Grundwasser in anderen Regionen gefördert als die Verbrauchstellen liegen oder die Versickerungsanlagen gebaut werden.
Zum Beispiel ist in der Region des Autors, der Wesermarsch, zwar ausreichend Wasser vorhanden, das aber nicht zur Trinkwassergewinnung taugt. Das Trinkwasser wird einige Kilometer entfernt auf der Geest gefördert (Oldenburger Land). Eine Versickerung in der Wesermarsch würde daher keinen Tropfen zur Grundwasserneubildung auf der Geest beitragen. Ebenso verhält es sich in Ballungsgebieten. Eine Versickerungsanlage im Raum Wiesbaden, Mainz oder Frankfurt trägt keinen Tropfen zur Grundwasserneubildung im hessischen Ried bei, wo das meiste Trinkwasser für diese Region gefördert wird.

Versickerungsanlagen tragen daher hauptsächlich zur Entlastung der Kanalisationsanlagen, sowie zur Reduzierung von Hochwasserrisiko bei. Dies sind auch die Gründe, warum immer mehr Gemeinden bei Neubauten eine Regenwasserversickerung als Bauauflage vorschreiben.

Das ökologische Gebot heißt aber in aller Konsequenz Reduzierung von Grundwasserentnahme und Reduzierung von Hochwasserrisiken.

Bau einer Versickerung